Pressemitteilung
Pressemitteilung zum Schlachthofskandal in Wassertrüdingen
Videoüberwachung ist nicht ausreichend.
Der aufgedeckte Tierschutz-Skandal im Geflügel-Schlachthof in Wassertrüdingen im April 2025 hat zu großer Betroffenheit und Empörung geführt. Die Bilder haben erschüttert und gezeigt, zu was Menschen fähig sind. Die von der Bundesregierung beschlossene Videoüberwachung tritt am 01.01.2027 in Kraft und ist eine längst überfällige Konsequenz aufgrund einer Vielzahl an Verstößen in diesen Betrieben. Die ÖDP kritisiert allerdings, dass die Videoüberwachung nur für große Schlachtbetriebe gelte, aber auch in kleineren und mittelgroßen Betrieben seien bereits schwerwiegende Verstöße gegen tierschutzrechtlicher Vorgaben dokumentiert worden. Vor diesem Hintergrund ist die Beschränkung der verpflichtenden Aufzeichnungen auf große Schlachtbetriebe nicht nachvollziehbar. Erfahrungen aus den großen Schlachtbetrieben, die bereits eine freiwillige Videoaufzeichnung eingeführt haben, hätten gezeigt, dass diese die betriebliche Eigenkontrolle stärke und zur Verbesserung der Arbeitsabläufe und betrieblichen Kontrollvorgänge beitragen könne. Um Veterinärbehörden zu entlasten, sollten die Videoaufnahmen den zuständigen Behörden digital zum Abruf bereitgestellt und die technischen und rechtlichen Voraussetzungen für eine KI-gestützte Auswertung der Videoaufzeichnungen geschaffen werden, so die ÖDP. Derart prekäre Verhältnisse wie im Schlachtbetrieb in Wassertrüdingen festgestellt, sind auch eine Folge unseres wachstumsorientierten Wirtschaftssystems. Es leiden nicht nur Nutztiere, sondern auch zunehmend Menschen auf den Höfen, in der Saisonarbeit oder in Schlachthöfen. Auch der Verbrauch von Ressourcen wird zunehmend zum Problem: Böden, Wasser, Artenvielfalt, all das ist unseren Konsumwünschen und -gewohnheiten nicht gewachsen. Es funktioniert nicht, die Erzeugung in Deutschland zurückzudrängen, wenn der Verbrauch nicht mitzieht. Dieser wird dann an anderer Stelle, im Ausland gedeckt, häufig unter Rahmenbedingungen, auf die wir keinen Einfluss haben. Tierschutz, Tiergesundheit und Lebensmittelsicherheit gehören zusammen. Schlachtungen auf dem Hof und Direktvermarktungen sind besser als jeder Tiertransport und Bezug aus Ländern, die nicht unseren höheren Standards und unseren Vorschriften entsprechen. Die ÖDP hat schon vor Jahren einen Bundesarbeitskreis für Landwirtschaft, Tierschutz und Gentechnik ins Leben gerufen. Aktuell leitet Kreisrat Jürgen Schilling, Biolandwirt aus Schnepfendorf, den Arbeitskreis, Stellvertreter ist Hans-Gerd Pelzer aus Ansbach. Der Bundesarbeitskreis setzt sich für eine fortschrittliche und nachhaltige Landwirtschaft ein und unterstützt Umwelt- und Tierschutzverbände. Wir sind generell aufgerufen, Tiere als Mitgeschöpfe weit stärker zu achten. Dies verlangt auch Artikel 141 (1) der Bayerischen Verfassung: "Tiere werden als Lebewesen und Mitgeschöpfe geachtet und geschützt". Dabei geht es um alle Tiere, seien sie wildlebend, "Nutztiere" oder Haustiere.